#1

Wohnzimmer + Küche

in David Anderson 18.09.2014 19:10
von David Anderson • 23 Beiträge
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#2

RE: Wohnzimmer + Küche

in David Anderson 18.09.2014 21:30
von Elizabeth Davis • 59 Beiträge

Das Ich komm schon klar war zwar nicht wirklich eine Antwort, aber besser als nichts. Also nahm ich es nickend hin und folgte seiner Aufforderung ins Wohnzimmer zu gehen. Ich ließ meinen Blick über die Einrichtung schweifen und kam nicht umhin zu bemerken, dass hier ein ganz anderer Stil vorherrschte als in dem Haus in dem er mit Ashley gewohnt hatte. Das war vermutlich auch so gewollt, immerhin wusste ich von seinen Eltern auch, dass er das Haus bisher nicht verkauft hatte. Zu viele Erinnerungen und auch hier stand nicht viel herum, was mich direkt an Ashley erinnert hätte. Doch ich ließ diesen Umstand unkommentiert, war er für mich doch nachvollziehbar.
Die Fotos die ich von Ashley besaß, waren alle nach ihrem Tod in einen Karton gewandert den ich nur das hervorkramte, wenn mir danach war in Erinnerungen zu schwelgen. Das war anfangs selten vorgekommen, aber es fiel mir immer leichter. Ashley war nie ein Mensch gewesen, der lange deprimiert sein konnte und deshalb würde sie es auch nicht wollen, dass ihre Hinterbliebenen sich so verhielten. Zumindest glaubte ich fest daran, denn es hatte mir in den letzten Monaten unendlich geholfen.
Jetzt wo ich in einer Wohnung war, wusste ich erst Recht nicht, was ich sagen sollte. Smalltalk halten? Darin war ich noch nie gut gewesen.
"Es freut mich, dass es dir besser geht. Zumindest besser als zu dem Zeitpunkt, an dem ich dich das letzte Mal gesehen habe." ich lächelte schwach. Ziemlich lahmer Gesprächsanfang, sogar für mich. "Du siehst gut aus."


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#3

RE: Wohnzimmer + Küche

in David Anderson 18.09.2014 21:46
von David Anderson • 23 Beiträge

Bilder von ihr hatte er in dieser Wohnung keine. Sie alle befanden sich noch im Haus oder in den Keller verbannt, um ihm die Sache ein wenig einfacher zu machen. Es hatte ihm ein wenig geholfen, sie nicht jeden Tag sehen zu müssen auch wenn sie immer in seinem Gedächtnis bleiben würde und dies war wohl die einzige Sache, die ihm nie jemand übel nehmen würde. Vorwürfe machte er sich mittlerweile nicht mehr, denn er wusste dass er an dem Unfall nicht schuld gewesen war. Einen kleiner Moment der Unachtsamkeit war noch lange kein Auslöser für einen Unfall.
Zusammen mit Liz betrat er das Wohnzimmer und lief in Richtung der Küchenzeile, um in zwei kleine Gläser etwas Wasser einzuschenken. Immerhin wollte er kein schlechter Gastgeber sein und ihr wenigstens etwas zu trinken geben. Mit den Gläsern in der Hand lief er zu ihr zurück und deutete ihr mit einer Handbewegung an dass sie sich setzen sollte, was er ihr gleich tat. "Der Job tut mir gut. Ich bin endlich wieder unter Menschen und so langsam krieg ich es wieder in den Griff", erwiderte er und zum ersten Mal seit Wochen zeichnete sich so etwas wie ein Lächeln auf seinen Lippen ab. Ein ernst gemeintes, kein gezwungenes oder verstelltes Lächeln. "Du aber auch", erwiderte er ehrlich und nahm einen Schluck aus seinem Glas. "Was hast du in der letzten Zeit eigentlich so getrieben?"

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#4

RE: Wohnzimmer + Küche

in David Anderson 18.09.2014 22:04
von Elizabeth Davis • 59 Beiträge

Ich selbst hatte David nie Schuld an dem Unfall gegeben, genauso wenig wie das restliche Umfeld, wie Familie und Freunde. Es war ein schrecklicher Unfall gewesen an dem allein dieser Wahnsinnige von Autofahrer die Schuld gehabt hatte und diese Schuld hatte er immerhin selbst mit dem Leben bezahlen müssen. Trotzdem war er es immer David gewesen, der sich dafür gestraft hatte. Vollkommen zu Unrecht.
Ich nahm dankend das Wasserglas entgegen und setzte mich auf die Couch, David gegenüber.
Zu hören, dass es ihm wirklich besser ging und er sein leben geordnet hatte, freute mich sehr. Das war alles, was ich mir für ihn gewünscht hatte in all dieser Zeit. "Das ist schön zu hören." ich lächelte. "Du verdienst es und ich bin sicher, dass sie das auch so gewollt hätte."
Sie. Mir fiel wiederholt auf, dass es mir in Gesprächen doch noch schwer fiel, Ashleys Namen auszusprechen. Ich wusste nicht warum. Vielleicht ein Überbleibsel aus dieser "Nicht wahrhaben wollen-Phase" in der ich immer gedacht hatte, dass Ashleys Tod weniger real würde, wenn man ihren Namen nicht aussprach. Vollkommen idiotisch, aber damals war es mir unerträglich logisch vorgekommen.
Wieder bildete sich dieser Kloß in meinem Hals und ich starrte auf das Wasserglas in meinen Händen. Ich räusperte mich, bevor ich wieder aufsah um Davids Frage zu beantworten.
"Ich war in LA." mir wurde bewusst, dass ich keine Ahnung hatte ob er das überhaupt mitbekommen hatte. "Ich brauchte auch...Abstand. Habe mich auf meine Arbeit konzentriert, Kurse besucht. Jetzt wollte ich doch wieder zurück und will mir jetzt ein eigenes Standbein aufbauen. Von irgendwelchen Chefs habe ich erstmal genug." ich lachte leise.


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#5

RE: Wohnzimmer + Küche

in David Anderson 18.09.2014 22:25
von David Anderson • 23 Beiträge

Die ersten Monate waren der pure Höllenritt gewesen. Erst die Wochen, in denen er im Krankenhaus lag und in denen die Ärzte um sein Leben kämpften und anschließend immer wieder die Fragen der Polizei und die der Versicherung. Irgendwann hatte er das alles einfach nicht mehr ertragen und sich von jedem abgewendet, der auch nur im Ansatz etwas mit der Sache zu tun haben könnte. In dieser Zeit wollte er niemanden sehen, doch heute war er froh dass zumindest Liz sich wieder bemühte, mit ihm in Kontakt zu treten und dass er sie doch nicht ganz weg geekelt hatte. "Ash hätte so vieles nicht gewollt" erwiderte er und auch wenn ihr Name ihm noch immer die Kehle zuschnürte und ein Stechen in seiner Brust hinterließ. Doch mittlerweile ließ es langsam nach und war nicht mehr allzu schmerzhaft. Man konnte es auch als eine Art Therapie sehen, denn auch wenn sie ihren Namen nicht sagten, würde es sie dennoch nicht zurückholen.
Seinen Blick ließ er auf ihr ruhen während sie sprach und er nahm einen Schluck aus seinem Glas bevor er es auf dem Tisch abstellte. So wie es sich anhörte, schien sie ziemlich viel erreicht zu haben und er freute sich wirklich für sie. "Hört sich so an, als würdest du voll durchstarten", schmunzelte er.

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#6

RE: Wohnzimmer + Küche

in David Anderson 18.09.2014 22:37
von Elizabeth Davis • 59 Beiträge

Als er davon sprach, dass Ash so viele Dinge nicht gewollt hätte, schluckte ich schwer. Allen Dingen voran hatte sie bestimmt nicht sterben wollen. Sie hatte den Mann gefunden, mit dem sie den Rest ihres Lebens verbringen wollte, hatte ein Kind von ihm erwartet...sie hatte das Leben noch vor sich gehabt. Entschieden schob ich diese düsteren Gedanken beiseite und verbat mir, jetzt wieder damit anzufangen. Ich hatte mir so fest vorgenommen, über all das nicht in Davids gegenwart nachzudenken, auch wenn diese letztendlich diese Gedanken hervorbrachte. Aber ich war doch nicht hier um Trübsal zu blasen, nicht vor ihm.
Also konzentrierte ich mich wieder auf das Gespräch und einen neutralen beziehungsweise nicht traurigen Gesichtsausdruck.
"Naja durchstarten nicht wirklich." ich schmunzelte ebenfalls. "Die Stadt ist voll von Mediendesignern und großen Firmen. Da muss ich mich erstmal durchsetzen. Aber irgendwie bekomme ich das schon hin....hoffe ich."
Ich stellte mein Glas ebenfalls wieder ab und sah ihn dann an. "Ich habe schon gehört, dass du jetzt in der Firma deines Vaters arbeitest. Wie läuft es da denn?"


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#7

RE: Wohnzimmer + Küche

in David Anderson 22.09.2014 20:36
von David Anderson • 23 Beiträge

Nein, das hatte sie garantiert nicht. Auch noch heute machte er sich ab und an Vorwürfe, da er ja am Steuer gesessen hatte und somit eigentlich schuld an dem Unfall war. Doch er wusste, dass es nichts bringen würde, sich selbst die Schuld an allem zu geben, denn das würde ihm sie auch nicht wiederbringen. Von nun an hieß es nach vorn schauen; ein neues Leben beginnen und die alten Zeiten hinter sich lassen, auch wenn er sie immer in seinem Gedächtnis und in seinem Herzen tragen würde.
Um nicht wirklich noch in seinen alten Trott der Trauer zu verfallen und damit auch Beth von sich zu schieben, war er ganz froh über den Themenwechsel. Es gab andere Dinge über die man sprechen konnte und garantiert wäre es für keinen von ihnen hilfreich, wenn sie das alte Thema wieder aufgreifen würden. "Du schaffst das schon", erwiderte er mit einem Lächeln auf seinen Lippen, denn davon war er wirklich überzeugt. Sie hatte schon immer einen Fable für Kreativität gehabt, sodass es für sie sicher nicht schwer sein würde, hier Fuß zu fassen.
"Ganz gut, eigentlich. Zumindest lenkt es mich ab, endlich mal wieder was zu tun zu haben und Verantwortung zu haben." antwortete er auf ihre Frage hin und zuckte mit den Schultern. Der Job gefiel ihm wirklich und war garantiert auch etwas, was er weiterhin tun würde.

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#8

RE: Wohnzimmer + Küche

in David Anderson 23.09.2014 11:11
von Elizabeth Davis • 59 Beiträge

Ich war erleichtert, dass er scheinbar mit dem Themenwechsel einverstanden war. Eigentlich war dies aber auch nicht weiter verwunderlich, denn kaum jemand den ich kannte und der Ash gekannt hatte, sprach gerne über ihren Tod.
"Danke." sagte ich zu seinen aufmunternden Worten und lächelte schwach. "Das hoffe ich, die Konkurrenz ist ziemlich groß. Aber wenn ihr mal jemanden brauchen solltet, dann sagst du mir hoffentlich Bescheid." ich wackelte gespielt drohend mit dem Zeigefinger und grinste, während ich das sagte. Wirklich ernst gemeint war das natürlich nicht, denn ich war mir eigentlich ziemlich sicher, dass die Firma der Andersons ihre eigenen Leute für meinen Bereich hatten. Das war zumindest bei den meisten größeren Firmen so, wie ich schon oft hatte feststellen müssen. Ich selbst hatte ja auch lange Zeit nur für eine einzige Firma gearbeitet, auch in LA. Trotzdem wollte ich an meinem Ziel festhalten, auf eigenen Füßen zu stehen, was David mittlerweile ja anscheinend auch geschafft hatte.
"Dein Vater ist zumindest zufrieden mit deiner Arbeit, so wie es klang." sagte ich mit einem Lächeln, bevor ich nach meinem Glas griff und einen Schluck von dem Wasser nahm. Mr. Anderson hatte jedenfalls nur in den höchsten Tönen von seinem Sohn gesprochen und hatte oftmals erwähnt, dass er Stolz auf die Leistung seines Sohnes "nach so einem Schicksalsschlag" war. Da konnte ich ihm eigentlich nur zustimmen, nicht jeder hätte es in so kurzer Zeit geschafft sein Leben wieder in die richtigen Bahnen zu lenken...womit ich gedanklich wieder bei dem alten Thema war. Ich musste echt damit aufhören.
"Hast du heute Abend eigentlich etwas vor?" lenkte ich mich selbst wieder ab, während ich das Glas zurück stellte. "Ich habe mich mit ein paar Freunden zum Essen verabredet. So als kleine Wiedersehensfeier quasi." ich lächelte schief.
Ehrlich gesagt war mir zunächst gar nicht in den Sinn gekommen, David zu fragen ob er auch mitkommen wollte. Ich war ja beinahe davon ausgegangen, dass er sich verkrochen hatte oder so ähnlich. Außerdem hatte ich schon gehört, dass ich nicht die einzige gewesen bin, zu der er den Kontakt zeitweise abgebrochen hatte. Vielleicht wollte er derlei Begegnungen ja auch aus dem Weg gehen.


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